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Heute:
Frust pur! |
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Ihre
Zeugnisse haben Sie gut sortiert parat, einen aktuellen Lebenslauf
ebenso. Also ab zum Copyshop und je zehn Kopien gemacht. Dann zehn
Schnellhefter gekauft, zehn Umschläge und nicht zu vergessen auch
zehn Briefmarken. Anschließend zum Friseur, und die Wintermähne gestutzt.
Nun zum Fotografen. Der ist nicht billig, hat aber leider wieder mal
eine dieser Polaroid-Kameras. Vier Bilder macht sie auf einen Schuß,
und weil Sie so lieb darum bitten, macht der Fotograf zwei Aufnahmen.
Macht acht Fotos. Auf vieren schauen Sie wirklich prima aus, auf den
andern vier so naja. Aber Sie sind gerüstet für den Bewerbungswettkampf |
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Im
Laufe der nächsten Wochen finden Sie - in der Zeitung oder auch online
- einige interessante Stellen. Also setzen Sie jeweils ein passendes
individuelles Anschreiben auf (sehr wichtig) und heften den Lebenslauf,
die Zeugnisse und vielleicht auch noch Arbeitsproben oder Veröffentlichungen
in den Schnellhefter. Foto nicht vergessen! Umschlag zukleben, Anschrift
gut lesbar drauf und mit bangen Gefühlen ab damit in den Kasten! |
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Nun gibt es folgende Möglichkeiten:
- Die Umschläge waren zu klein: die
Mappe wird geknickt
- Die Umschläge waren zu groß (Maximal
35,3 x 25 x 5 cm): die Post verlangt Strafporto beim Empfänger.
Ihre Bewerbung können Sie vergessen, Sie sind aus dem Rennen,
falls die Firma den Brief überhaupt annimmt.
- Sie haben die falsche Mappe in
den richtigen Umschlag gesteckt. Schön, daß Siemens nun weiß,
was Sie am bei Philips angebotenen Job so interessant finden.
Das hilft möglicherweise, die nächste Stellenanzeige von Siemens
noch interessanter zu machen. Ihnen hilft es aber nicht, denn
Schusselei ist bei Siemens nicht gefragt. Bei Philips übrigens
auch nicht.
- Bewerbungen sind Chefsache. Unter
dessen Schreibtisch stapeln sich nach einer Woche 150 Bewerbungsmappen.
Sie sind Nummer 151. Nach Ihnen kommen noch 180. Der Chef geht
auf eine Dienstreise, bereitet später eine Messe vor. Die Bewerbungen
vergißt er, er hat keine Zeit dafür. Nach 3 Monaten erinnert ihn
seine Sekretärin an die Mappen und er läßt sie mit einem Standardbrief
zurückschicken. Sie haben Glück gehabt. Normal hätten Sie Ihre
Unterlagen nie wiedergesehen.
- Bewerbungen sind Teamsache. Jeder
darf sich Ihre Unterlagen mal ansehen. Danach hat der Lebenslauf
viele mit Kugelschreiber unterkringelte Sätze und den braunen
Abdruck einer darauf abgestellten Kaffeetasse, Ihr Diplomzeugnis
einen Fettfleck, das Foto zwei Eselsohren sowie der Schnellhefter
ein Brandloch von heruntergefallener Zigarettenasche. Außerdem
können Sie auf der Deckfolie des Schnellhefters von kräftiger
Kugelschreiberhand durchgedrückt lesen: „Uninteressant! Fader
Typ. Absagen."
Die Firma hat ein gesundes Selbstbewußtsein: sie schickt Ihnen
dieses Kunstwerk zurück.
- Die Firma hat eine gute Personalabteilung
und auch passende Rücksendeumschläge. Trotzdem gewinnt einer der
anderen Bewerber. Der Postbote stopft Ihnen die Mappe in den viel
zu kleinen (Din A 5) Hausbriefkasten neben die gerade verteilten
Prospekte. Gegen das Ergebnis schaut die durchs Team gewanderte
Bewerbungsmappe noch richtig frisch aus.
- Der statistisch häufigste Fall:
Sie sehen Ihre Unterlagen nie wieder.
- Der statistisch seltenste Fall:
Sie werden zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.
- Der übliche Fall: In dem Moment,
wo Ihr Traumjob angeboten wird, sind Fotos, Fotokopien der Zeugnisse,
Mappen, Umschläge oder Briefmarken aus. Bis Sie Ihre Unterlagen
komplettiert und abgeschickt haben, hat jemand anders den Job.
Jede Versendung einer
Bewerbungsmappe kostet Geld für Kopien, Umschlag, Foto, Briefmarke.
Vor allem aber auch viel Zeit. Damit kostet der Versand einer Mappe
effektiv um die 15 Mark. Üblicherweise muß man mindestens 50 bis
100 Mappen verschicken, um ein brauchbares Vertragsangebot zu bekommen.
Angesichts der Tatsache, daß sich auf viele Jobs 300 Leute und mehr
bewerben, ist das sogar noch optimistisch geschätzt. Von diesen
Kosten könnte man gut in Urlaub fahren. Da hilft es auch nichts,
daß man die Bewerbungskosten steuerlich als Werbungskosten absetzen
kann – das Finanzamt zieht sie zwar bei der Steuerberechnung ab,
aber Sie bekommen deshalb keinesfalls das ganze Geld wieder. Und
die mit dem „Katalogversand" vertane Zeit schon gar nicht.
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